11 Titel, 40 Minuten

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Bewertungen und Rezensionen

Einfach nur Perfekt!

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Vielen Dank für die tollen Songs!

Starkes Debüt!

JauMann

Zwei junge Männer auf einem weißen Sofa. Irgendwo im Wald. Cool schauen sie aus. Musiker halt. Wie Rocker. Ich bin mal gespannt. Das Keyboard-Intro des ersten Songs „Bergauf“ führt in eine sanftere Richtung. Eine akustische Gitarre fügt sich ein. Dann die Stimme. Eine Stimme, die warm und in berührender Melancholie singt: „Das Glas beschlägt, dein Atem friert.“ Bin schon drin! „Wir suchen im Dunkel, tasten uns vor, stolpern ins Licht.“ Und ich taste mit.

Musikalisch verortet in der Tradition klassischer Singer/Songwriter, injizieren die zwei Jungs von JETZT UND HIER ihren Songs immer wieder unkonventionelle Wendungen. Wie kleine verschlungene Pfade. Der zweite Song „Herz geht voran“ bricht mit dem verhaltenen Beginn und kann durch seine Unbeschwertheit punkten. „Spitzenteam“, der Titelsong des Albums, beginnt düster bis bedrohlich. Erstaunlich, welche Spannung allein in diesen ersten Liedern aufgebaut wird. Die Jungs verstehen es, ganz unterschiedlich Stimmungen zu kreieren und kreativ auszureizen. Auch der Sound des Albums ist erstklassig. „Grabe tief, bis das Wasser wieder fließt.“ ̶ nach all den Enttäuschungen des Lebens und der Liebe liegt die Hoffnung eben auch im Tun. „Manches ist kalte Asche, doch manches brennt in dir drin.“ Wie wahr.

Song Nr. 4 („Wenn du gehst“) beschreibt, wie sich ein Paar nach vielen Jahren wiedersieht. Viel Piano, bewegend. Und obwohl ich auf die melancholisch-traurige Seite des Albums stehe, ist einer meiner Lieblingssongs „Sing doch!“, das genaue Gegenteil davon: Herrlich ausgelassen, fröhlich und optimistisch. Denn „auf dem Fluss der Euphorie treibt unser Floß.“ Man mag dabei nur noch in Dauerschleifen tanzen!

Es folgt „Diese Nächte“, ein nostalgisches Lied über gemeinsame Zeiten unter Freunden. Wieder sehr gefühl- und stimmungsvoll. Und die Stimme von Sänger René Gold kommt erneut wunderschön rüber.

Dann ein ungewöhnliches Thema: In „Schneeweißer Raum“ geht es um einen Mann, der an Demenz erkrankt ist und in seiner ganz eigenen, hermetischen Welt lebt. Poetisch und einnehmend: „Weißes Loch, er fällt hinein ... leere Zeit, das Nichts richtet sich häuslich ein.“ Im Song „Fühlst du“ verstärkt ein Cello die Emotionen (die Band tritt live auch mit einem Cellisten auf). Es geht um Entfremdung und Isolation, ein starkes Stück Musik, das sich bis ins Hypnotische steigert. „Perfekt“ beginnt lediglich mit akustischer Gitarre und bedächtigem Gesang, bevor ein Klavier einsetzt. Trennung ist das Thema, der obligatorische Casablanca-Regen zieht sich bis ins nächste Stück „Zu zweit“.

Na klar, die Liebe! In Moll und Dur. Schön reduziertes Arrangement und philosophisch angehauchte Zeilen. Und dann, zum Schluss des Songs, eine ganz einfache Zeile, die in ihrer Offenheit und Reinheit voll bei mir einschlägt, weil sie mit so viel Liebe und fast unschuldig vorgetragen wird: „Wenn ich sehe, wie du siehst ... Wenn ich rieche, wie du riechst ... Wenn ich schmecke, wie du schmeckst ... weiß ich: alles ist perfekt.“ Wirkt!

Der letzte Song dieses textlich + musikalisch überzeugenden Albums kann das nur noch bestätigen: „Zu Haus“. Ein würdiger Ausklang. Für alle, die auf Künstler wie Joris, Johannes Oerding, Max Giesinger oder Andreas Bourani stehen, eine tolle Neuentdeckung! Emotionale Songs, extrem melodisch, von melancholisch bis euphorisch ̶ JETZT UND HIER zeigen auf ihrem Debüt viele Facetten. Und ich bin mir sicher, dass von diesen Jungs noch viel zu hören sein wird. Chapeau, ich ziehe meine Wintermütze!

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